Klausdorfer Wanderfahrer auch im Winter im Kajak

Nach zweijähriger Pause findet in diesem Jahr die Schwentinewanderfahrt mit einem neuen Konzept statt.

Sonntagmorgen 10.30 Uhr in der Kanuabteilung des TSV Klausdorf. Der Parkplatz füllt sich, Fahrräder trudeln ein. Alle haben viel Ausrüstung dabei. Eine halbe Stunde später stehen vermummte Gestalten auf dem Steg und wassern ihre Boote. Manche denken schon jetzt voll Wonne an die warme Dusche nach der Rückkehr.

 

Eine Gruppe sieht aus wie Personal von der Bohrinsel. Sie tragen Trockenanzüge, auch Überlebensanzüge genannt.  Für sie heißt das Ziel Kieler Förde – bei guten Bedingungen auch gerne zur Glockentonne am Laboer Ehrenmal.

 

Die „leichter“ Bekleideten bleiben auf der Schwentine. Sie können ohne den „Trocki“ fahren. Denn, wenn sie kentern, ist es nicht lebensbedrohlich, weil zur Not das rettende Ufer bzw. die warme Dusche im Bootshaus schnell erreicht ist.

 

Kälte ist das entscheidende Kriterium beim Winterpaddeln. Momentan zeigt das Thermometer in der Ostsee mal gerade ein Grad. Ohne Trockenanzug wäre man/frau nach einer Minute bewegungsunfähig. Nach wenigen Minuten bewusstlos.

 

Wer jetzt denkt, die Kanuten sind leichtsinnig, täuscht sich. Sie sind gut auf ihre „Eisfahrten“ vorbereitet. Die Kleidung wurde bereits erwähnt. Aber genauso wichtig ist es, nach einer Kenterung (passiert äußerts selten bei den alten Hasen*) wieder ins Boot zu kommen. Das wird regelmäßig trainiert, damit die Mitpaddler*innen sogenannte Partnerrettung aus dem Effeff beherrschen.

 

In den Wintermonaten sind die Kanuten glücklicherweise wieder jeden Freitagabend im Klausdorfer Lehrschwimmbecken. Es ist zwar flach, aber viele Fertigkeiten, vor allem Bootsbeherrschung, lassen sich auch hier prima üben. Die Profis verfeinern ihre Eskimorollen. Sie sind die hohe Kunst, sich selbst zu retten. Für die Inuit war es lebenswichtig, weil sie nicht schwimmen konnten. Für die Klausdorfer Kanut*innen im Winterwasser nicht das Mittel der Wahl, weil die Kälte das Handeln und Denken enorm einschränken.

 

Die Paddler*innen, die auf der Schwentine bleiben, sind meist nach der Fahrt nach Wellingdorf auf dem Weg zu Käpt´n Kühls Anleger vor der Oppendorfer Mühle. Dort werden die Thermoskannen geöffnet und dampfender Tee verkostet. Nicht nur in  der Weihnachtszeit gehören Dominosteine zum Grundnahrungsmittel. Ein Kanute hortet meist so viele davon, dass sie bis ins ausgehende Frühjahr reichen.

 

Die letzte Etappe endet am Kanuheim nach zehn Kilometern. Boote trocknen, warm duschen und noch eine gesellige Runde im Heim oder in den neuen Loungemöbel gehören immer dazu.

 

Aber eins ist sicher: Alle freuen sich schon jetzt auf das T-Shirt-Wetter im Frühjahr und Sommer.

 

Infos zum Winter- und Sommerpaddeln unter www.kanuklausdorf.de

 

 

Thomas Voigt

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