Im Herbst/Winter 2011 fand erstmals eine große Mitgliederbefragung im TSV statt, bei der jedes Mitglied über einen Fragebogen unserem Sportverein Noten und Anregungen geben konnte. Bis zum Januar 2012 nutzten fast 600 Mitglieder — sei es als Einzelpersonen, Ehepaare oder Familien — diese Chance, an der Ausgestaltung der zukünftigen Vereinsarbeit mitzuwirken. Damit gelang es, ein aussagekräftiges Meinungsbild über die Angebote und die Organisation des TSV Klausdorf zu erhalten. Dafür möchte der Vorstand allen Teilnehmern herzlich danken!

Der Vorstand hat im Verlauf des Jahres die einzelnen Fragebögen akribisch, auch nach Altersgruppen getrennt, ausgewertet: Mit Hilfe eines kleinen Analyseprogramms wurden Durchschnittsnoten, Profile und Vorlieben ermittelt sowie die vielen handschriftlichen Anmerkungen digital erfasst. Dazu mussten einzelne Vorstandsmitglieder mehr (Frei)zeit an ihrem PC verbringen als ihnen lieb war. Für dieses Opfer sei ihnen ebenfalls gedankt.
Was ist nun bei der Befragung konkret herausgekommen? Eine zentrale Botschaft lautet sicherlich, dass unsere Mitglieder insgesamt sehr zufrieden sind, denn beeindruckende 94 % der Befragten würden ihren TSV weiterempfehlen. Das heißt allerdings nicht, dass kein Wunsch nach Verbesserungen bestünde, denn viele verbanden ihre Weiterempfehlung mit Kritik im Detail.
Eine weitere wichtige Botschaft besteht darin, dass die Nähe des Vereins das dominierende Motiv für die Mitgliedschaft im TSV ist, mehr als die Hälfte der Befragten nannten diesen Grund. Empfehlungen aus dem Familien- und Freundeskreis sowie der Kontakt zu Gleichgesinnten waren weitere wichtige Motive, während die „Tradition" kaum eine Rolle spielt. Die Mitgliedschaft von Geburt an ist wohl aus der Mode gekommen, der TSV profitiert vielmehr von kurzen Wegen zum Sport und von der Weiterempfehlung seiner Mitglieder.

Weiterempfehlung setzt aber Zufriedenheit mit dem sportlichen Angebot voraus, das erfreulicherweise die Gesamtnote 1,8 erhält. Ebenso erfreulich ist die Beurteilung der fachlichen Kompetenz der Übungsleiter, die mit 1,5 die Bestnote in der Befragung erhalten. Aus dieser positiven Einschätzung resultiert die Verpflichtung, durch eine konsequente Aus- und Weiterbildung von Trainern auf dem Stand der Zeit zu bleiben, um dieses Ergebnis auch in Zukunft bestätigen zu können. Durch große Vielfalt und hohe Betreuungsqualität kann der TSV gegenüber anderen Sportvereinen und Fitnessstudios offensichtlich gut bestehen. Das TSV-Angebot muss allerdings stärker als bisher die relativ schwach im TSV vertretene Gruppe junger Erwachsener ansprechen, die häufiger als andere in Fitnessstudios Sport treiben.

Auf Defizite bei der Konkurrenzfähigkeit des TSV deutet allerdings die Einschätzung der Befragten hin, dass der TSV wenig „trendy" bzw. „modern/fortschriftlich" ist, er gilt vielmehr als „bekannt", „zuverlässig", „freundlich" und „sozial", wenn nach der Wahrnehmung des Vereins gefragt wird. Wir sind also nett, aber ein wenig verstaubt. Daraus kann nur die Lehre gezogen werden, dass in den einzelnen Sparten aktuelle Trends stärker aufgegriffen werden müssen und der Vorstand sich Gedanken über das Angebot von sogenannten Trendsportarten machen muss — Anregungen aus der Befragung gibt es genug. Dabei kann der Verein aber nicht jedem kurzlebigen Trend hinterherlaufen und er muss die Finanzierbarkeit neuer Angebote im Auge behalten. Initiativen der Stadt auf diesem Feld, wie die Errichtung eines Skaterparks, werden vom TSV natürlich tatkräftig unterstützt. Vom neuen Beachvolleyballfeld im städtischen Freibad kann der TSV bereits dank des Engagements der Stadtwerke Schwentinental (SWS) profitieren.

Ein Problem ist fraglos die Ausstattung der in Klausdorf vorhandenen Sportstätten. Es kann nicht überraschen, dass Fußballer und wettkampforientierte Hallensportler relativ unzufrieden sind — der kaputte Grandplatz sowie die für den Sport nur eingeschränkt taugliche Schwentinehalle werden kritisiert. Es ist vor diesem Hintergrund umso erfreulicher, dass sich im laufenden Jahr Problemlösungen ergeben haben: Die Stadt hat dem Bau eines Kunstrasens am Aubrook zugestimmt, der ab dem Sommer 2013 beste Voraussetzungen für die männlichen und weiblichen Fußballer bieten wird. Ohne die Projektentwicklung und finanzielle Unterstützung durch den TSV würde es dieses „Sommermärchen" jedoch nicht geben. An dieser Stelle sei auch auf die Spendenseite der Fußballer hingewiesen, wo der „Verkauf" von Rasenteilen zur Finanzierung des Kunstrasenplatzes beitragen soll.
Für die Hallensportler gibt es ebenfalls zwei begründete Hoffnungen: Erstens besteht die Hoffnung, dass sich die Stadtvertreter nach viel zu langer Zeit endlich dazu durchringen können, die für den Sportbetrieb störenden Stühle/Tische/Bühnenteile aus der Kleinen Schwentinehalle in einen Container oder eine andere städtische Immobilie zu verlagern. Zweitens ist zu hoffen, dass die marode Turnhalle der Astrid-Lindgren-Schule durch eine moderne Sporthalle zeitnah ersetzt wird — Priorität in der Investitionsplanung der Stadt hat dieses Projekt jedenfalls. Der TSV unterstützt diese Vorhaben und wird im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag leisten.
Verbesserungspotenziale zeigte die Befragung auch bei den zur Verfügung gestellten Sportgeräten und Materialien. Auf der Grundlage vieler konkreter Hinweise werden Sparten und Vorstand daran gehen, Missstände zu beseitigen. In manchen Fällen bedarf es nur relativ geringer finanzieller Mittel, um kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Es sollte aber nicht übersehen werden, dass der TSV jedes Jahr viel Geld der Mitglieder in die Hand nimmt, um Sportgeräte zu erneuern und die Ausstattung „up to date" zu halten. Da wir aber einer soliden Haushaltsführung verpflichtet sind, kann nicht jeder Wunsch (sofort) erfüllt werden.

Auch zur Organisation und zur Infrastruktur des Vereins gab es wertvolle Rückmeldungen. Die Arbeit unserer Geschäftsstelle erhält eine gute Note (2,0), trotz aller Klagen im Einzelfall. Hier zahlt sich eine Professionalisierung der Vereinsorganisation durch hauptamtliche Geschäftsstellenmitarbeiter und der im letzten Jahr eingeführten digitalen Bürotechnik aus. Im Vergleich mit anderen Sportvereinen in Schleswig-Holstein, von denen viele aufgrund des „Aussterbens" von Ehrenamtlern um ihre Existenz bangen, ist der TSV Klausdorf hervorragend aufgestellt und könnte sogar für andere Vereine Verwaltungsdienstleistungen erbringen. Da diese Professionalisierung bezahlbar bleiben muss, ist allerdings nicht jeder geäußerte Wunsch nach längeren Öffnungszeiten oder Ausbau des Dienstleistungsangebots machbar. Aber die Geschäftsstelle und der Vorstand sind um ständige Verbesserungen bemüht.
Der Informationsfluss im Verein wird mittlerweile klar vom Internet beherrscht, wie die Befragung deutlich macht. Hier spielt das Informationsangebot auf der TSV-Seite eine wichtige Rolle, aber insbesondere die Sparten-Homepages haben für die Sporttreibenden eine zentrale Informationsfunktion. Daher sind alle Internet-Verantwortlichen im Verein aufgerufen, die Inhalte auf ihren Websites zu pflegen und auszubauen — zumal der Netzauftritt die Funktion einer Visitenkarte hat, mit der man für sich werben kann. Aber an dieser Stelle darf der Hinweis nicht fehlen, dass auch hinter allen TSV-Homepages Ehrenamtler und keine Internetprofis stehen. Entsprechend sollten die Ansprüche nicht zu hoch geschraubt werden. Und Information im TSV kann nicht nur über das Internet erfolgen: Die Befragung ergab sehr deutlich, dass Ältere, aber auch die Kleineren, herkömmliche Weg der Kommunikation schätzen. Das persönliche Gespräch mit dem Übungsleiter, das Telefonat mit der Geschäftsstelle oder das TSV-Info im Briefkasten spielen für die Vereinskommunikation weiterhin eine wichtige Rolle. Der Vorstand wird daher auch in Zukunft für vielfältige Information im Verein sorgen, damit jeder erreicht wird und das Vereinsleben nicht in digitale Parallelwelten entschwindet.

Als „Baustelle" hat sich, wenig überraschend, die Gaststätte im Vereinsheim herausgestellt. Fast 60 % der Befragten besuchen diese gar nicht, nur 13% sind einmal die Woche zu Gast. Zum Zeitpunkt der Befragung ereignete sich allerdings gerade ein Pächterwechsel und auch im Verlauf des Jahres 2012 sind die Dinge in Bewegung geblieben. Nach einer kurzen pächterlosen Zeit im Sommer bewirtschaftet seit dem 4. August Erwin Janke die Gaststätte im Vereinsheim. Erwin hat eine ansprechende Speisekarte zusammengestellt, die auch auf der TSV-Homepage zum Blättern einlädt, und wirbt mit Angeboten wie dem Schnitzeltag (jeden Mittwoch, nur frische Ware!) und dem Sonntagsbrunch (am ersten Sonntag im Monat) um neue und alte Gäste. Es liegt jetzt an den Mitgliedern, durch regelmäßige Besuche das Vereinsheim zu beleben und im Freundeskreis auf dieses neue gastronomische Angebot in Klausdorf hinzuweisen. Wir sollten diese Chance des Neuanfangs nutzen. Und wer eine gute Idee hat, welcher Name zu unserer Gaststätte passt, sollte unbedingt am Namensfindungswettbewerb des TSV teilnehmen.
Geteilter Meinung sind die Mitglieder bei dem Wunsch nach geselligen Veranstaltungen des TSV. Diesen Wunsch haben weniger als 30 % der Befragten, die aber viele Anregungen für Veranstaltungen geben. Auch nach den bisherigen Erfahrungen ist eine hinreichend große Anzahl von TSV-Mitgliedern durchaus feierwillig und reagiert positiv auf entsprechende Angebote, wie zuletzt in Gestalt der komplett ausverkauften „Grün-weißen Nacht". Wenn es nicht gerade um ein Sportfest geht, das die gesamte Mitgliedschaft anspricht, müssen die Veranstaltungen jedoch auf einzelne Zielgruppen zugeschnitten sein. So spräche zum Beispiel vieles dafür, dass auch einmal für die Jugendlichen im TSV eine „hippe" Party organisiert wird. Da fällt dem Jugendwart und seinen Mitstreitern sicher etwas ein.

Die Gretchenfrage lautet letztendlich, wie groß ist die Bereitschaft der Mitglieder, für den TSV ehrenamtlich tätig zu sein? Daran hängt, wie gut der Verein und seine Sparten organisiert sind und welche attraktiven Angebote auf die Beine gestellt werden können. Daher sollte sich jedes Mitglied fragen, wie es zur Vereinsarbeit beitragen kann. Leider zeigt die Befragung, dass sich gerade einmal 20 % der Befragten für eine ehrenamtliche Tätigkeit erwärmen könnten. Dabei bleibt das Ehrenamt auch trotz moderner Geschäftsstelle unverzichtbar, denn Professionalisierung stößt nicht zuletzt an finanzielle Grenzen. Der TSV will auch weiterhin allen Interessierten die Ausübung ihres Sports zu einem erschwinglichen Mitgliedsbeitrag ermöglichen — anders als kommerzielle Fitnessclubs. Er wird sich dabei an den Beiträgen anderer Sportvereine in der Region orientieren, so dass die Mitgliedschaft im TSV nicht teurer, aber auch nicht billiger als anderswo sein wird. Für Ehrenamtler bestehen viele Möglichkeiten, in den einzelnen Sparten mitzuhelfen oder den Vorstand zu unterstützen. Nur durch dieses Engagement bleibt für alle Mitglieder ihr Sport bezahlbar.
Die Ergebnisse der Mitgliederbefragung 2011 sollen unmittelbar in die Vereinsarbeit einfließen und zu sichtbaren Verbesserungen im TSV führen. Eine Arbeitsgruppe im Vorstand wird dafür Sorge tragen, dass neue Ideen aus der Mitgliederbefragung umgesetzt werden und Hinweisen auf Verbesserungspotenziale nachgegangen wird. Der TSV Klausdorf wird dabei natürlich an bewährten Strukturen und Angeboten festhalten.

Klaus Schrader
für den Vorstand des TSV Klausdorf

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